Gereifte Weine

Hier stehen Rotweine ab acht Jahren und Weiss- und Orange-Weine ab sechs, gerechnet ab dem laufenden Jahr. Jeden Januar kommen die nächsten Jahrgänge dazu. Von einigen Weinen führen wir mehrere Jahrgänge nebeneinander, etwa den Pizarra und den Escalada von Algueira aus der Ribeira Sacra oder den Massuria von José Mas aus dem Bierzo.

Escalada und Pizarra von Algueira, Massuria von Mas Asturias
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Was die Jahre in der Flasche verändern

Am schnellsten siehst du es an der Farbe. Der Pizarra 2009 von Algueira, Mencía vom Schiefer der Ribeira Sacra, hat ziegelrote Reflexe, der Pizarra 2017 ist noch kirschrot. Im Duft tritt die frische Frucht zurück: Der Massuria 2007 aus dem Bierzo riecht heute nach Leder und grünem Tabak, dahinter eingelegte dunkle Früchte. Die Tannine des Pizarra 2009 sind samtig geworden.

Weissweine werden goldener. Im Escalada 2017, einem im Fass vergorenen Godello, riechst du noch Fenchel und Orangenblüte, im Escalada 2013 Honig, geröstete Nüsse und leicht oxidative Töne, die an Sherry erinnern. Frisch hält solche Weine die Säure. Gereift heisst dabei nicht schwer: Der Risco 2014, reiner Merenzao mit 12,5 Prozent Alkohol, ist nach über zehn Jahren noch kirschrot, und wir trinken ihn leicht gekühlt.

Warum es diese Flaschen noch gibt

Einige Weingüter geben ihre Weine erst nach Jahren frei. Can Ràfols im Penedès hat den Merlot Caus Lubis 2006 nach dem Barrique noch 16 Jahre in der Flasche gelagert. Toni Alonso von Veigamoura liess den Albariño Quinquenio 2018 fünf Jahre auf der Feinhefe und füllte ihn 2023 ab. Den Patrimonio 2018, den günstigsten Roten von Algueira, hat die Familie von Fernando González mehrere Jahre im eigenen Keller liegen lassen.

Beim Massuria von Mas Asturias ist das Warten eingeplant: Laut Weingut trinkst du den 2008er gut bis 2040, die Magnum von 2015 sogar bis 2050. Deshalb haben wir von seinem Wein ältere Jahrgänge zurückgelegt, bis zum 2007er.

Eine Vertikale für zu Hause

Bei einer Vertikale öffnest du denselben Wein aus mehreren Jahrgängen am selben Abend. Wir würden mit dem Escalada anfangen, weil du beim Godello die Jahre schon an der Farbe siehst.

  • Escalada 2009, 2013 und 2017: Godello, jedes Jahr gleich im gebrauchten 750-Liter-Fass aus Kastanie und Eiche vergoren. Der 2017er zeigt noch Orangenblüte, der 2009er Honig und Nüsse.
  • Pizarra 2009, 2012 und 2017: Den 2009er sehen wir auf dem Höhepunkt, den 2017er würden wir noch drei, vier Jahre liegen lassen.
  • Massuria 2007 und 2008: Hier zählt das Wetter mehr als das Alter. Im Bierzo brachte 2007 einen warmen Sommer und eine sehr frühe Lese, 2008 einen August, so kühl wie seit 1977 nicht mehr.

Wie du sie servierst

Stell rote Flaschen einen Tag vorher aufrecht hin, damit sich das Depot setzt; der Massuria wird ungefiltert abgefüllt. Pizarra 2010 und Massuria 2008 öffnen sich mit einer Stunde im Dekanter, beim Cayetana 2017 aus der Ribera del Duero rät Raíz de Guzmán, die Flasche schon am Vortag zu öffnen. Rote schenkst du bei 16 bis 18 Grad ein, gereifte Weisse etwas wärmer als junge, den Escalada 2009 bei etwa 10 Grad.

Was auf den Tisch kommt

Zu den Roten passen Wild und gereifter Käse, zum Pizarra 2009 etwa ein alter Manchego. Den Selección Bodega 2010 von Pago de Tharsys aus Requena würden wir zu Steinpilzen öffnen. Die Weissen brauchen Gewicht auf dem Teller: Hummer oder ein Huhn mit Morcheln zum Escalada 2009, Fisch mit Buttersauce zum Quinquenio. Zum Apéro würden wir keinen davon aufmachen.

Häufige Fragen

Ab wann ist ein Wein bei euch gereift?

Rotwein und Clarete ab acht Jahren, Weiss- und Orange-Wein ab sechs, gerechnet ab dem laufenden Jahr. Jeden Januar kommen die nächsten Jahrgänge dazu. Schaumwein, Rosé und Süsswein zählen wir nicht dazu.

Sind die Weine trinkreif, oder muss ich sie noch lagern?

Die meisten kannst du jetzt öffnen, und viele halten noch Jahre. Den Massuria 2007 würden wir nicht länger liegen lassen. Der Homenaje 2013 von Algueira, Mencía aus Amandi mit 21 Monaten im Barrique, und der Fincas 2017 aus Caiño und Sousón haben dagegen noch Zeit. Was wir zu einem Jahrgang wissen, steht auf seiner Produktseite.

Muss ich einen gereiften Rotwein dekantieren?

Die kräftigen ja. Pizarra 2010 und Massuria 2008 geben wir eine Stunde im Dekanter, beim Cayetana 2017 empfiehlt Raíz de Guzmán, ihn in den Dekanter zu giessen oder schon am Vortag zu entkorken. Stell die Flasche vorher einen Tag aufrecht hin und giess langsam ab, damit das Depot zurückbleibt.

Wie schmeckt ein gereifter Godello?

Der Escalada von Algueira wird mit den Jahren goldener und riecht dann nach Honig, getrockneter Aprikose und gerösteten Nüssen, beim 2013er kommen leicht oxidative Töne dazu. Die Säure bleibt, darum wirkt er auch nach über zehn Jahren frisch. Serviere ihn bei 8 bis 10 Grad, den 2009er eher bei 10.

Sind gereifte Weine teuer?

Nicht zwingend. Den Patrimonio 2018 von Algueira, eine Cuvée aus Mencía, Sousón und Garnacha, bekommst du ab CHF 25. Weit höher liegen Raritäten wie der Cayetana 2017 von Raíz de Guzmán: Nach dem Frost vom 27. April 2017 gab es davon 600 Flaschen.

Warum führt ihr denselben Wein in mehreren Jahrgängen?

Weil jedes Jahr anders ausfällt. Beim Massuria war 2010 ein heisses, trockenes Jahr, das José Mas zusammen mit 2015 zu seinen besten zählt. 2017 brachte der Frost nur ein Fünftel einer normalen Ernte und einen leichten Wein mit feinen Tanninen. Nebeneinander getrunken zeigen dir solche Flaschen, was Wetter und Zeit aus demselben Wein machen.

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