Spanische Weine jenseits von Rioja

Weinregionen-Guide

Spanien hat die grösste Rebfläche der Welt. In Schweizer Regalen zeigt sich davon meistens eine einzige Region.

Wir führen keinen Rioja. Nicht aus Trotz, sondern weil das, was uns interessiert, anderswo passiert: an Schieferterrassen über einem galicischen Fluss, an alten Buschreben in Valencia, an Hängen im Bierzo, die vor zwanzig Jahren noch Fasswein lieferten.

Warum Rioja hier nicht vorkommt

Rioja ist gut. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Spanien mehrere hundert eigene Rebsorten hat und die meisten davon nie über die Grenze kommen. Sousón. Caiño. Merenzao. Brancellao. Treixadura. Doña Blanca. Wenn du diese Namen noch nie gelesen hast, liegt das nicht an dir.

Alle stehen in unserem Sortiment. Die folgenden fünf Regionen sind die, aus denen wir tatsächlich einkaufen, und zwar deshalb, weil wir dort waren.

Steile Weinbergterrassen am Rio Sil in der Ribeira Sacra, Weinbau in Handarbeit
Die Terrassen über dem Sil. Ab 85 Prozent Neigung hört der Maschineneinsatz auf.

Ribeira Sacra

Schon die Römer haben hier Wein gemacht, weil der Fluss den Transport übernahm. Geblieben sind Terrassen mit bis zu 85 Prozent Neigung über dem Sil. Maschinen kommen dort nicht hoch, gelesen wird von Hand und teils mit Seilsicherung.

Mencía von diesen Terrassen ist straff: dunkle Frucht, Veilchen, eine Spitze, die an Salz erinnert. Godello daneben hat eine Säure, die mehr mit dem Atlantik zu tun hat als mit spanischer Sonne.

Vier unserer Winzer:innen arbeiten hier: Algueira, Guimaro, Ronsel do Sil und Carlos Carballo. Das ist keine Zufallshäufung. Die Ribeira Sacra ist die Region, die uns am meisten beschäftigt.

Bierzo

Vor zwanzig Jahren lieferte der Bierzo vor allem Fasswein. Dann haben einige Winzer:innen angefangen, die alten Mencía-Reben an den Hängen der Montes Aquilianos ernst zu nehmen.

Mencía schmeckt hier anders als in der Ribeira Sacra: mehr Frucht, weichere Tannine, weniger Granit im Abgang. Wenn du mit dieser Traube anfangen willst, fang im Bierzo an. Sie ist dort zugänglicher. Sangarida arbeitet in San Lorenzo mit Reben, die über fünfzig Jahre alt sind, Mas Asturias ein Stück weiter.

Rías Baixas und Ribeiro

Der Rest Galiciens fühlt sich weniger nach Spanien an als nach Nordeuropa. Grüne Hügel, Atlantik, viel Regen. Genau das schmeckst du.

Albariño aus den Rías Baixas hat Zitrus, Meersalz und eine Säure, die zu allem passt, was aus dem Wasser kommt. Attis und Veigamoura machen ihn so, wie wir ihn mögen: authentisch und ohne Schminke.

Im Ribeiro weiter im Landesinneren führt Inma Pazos das Weingut Coto de Gomariz biodynamisch weiter. Ihre Treixadura zeigt, dass galicischer Weisswein auch Körper haben kann und nicht nur Frische.

Alte Bobal-Buschreben in Utiel-Requena
Alte Buschreben in Utiel-Requena. Aus solchen Stöcken kommt die Bobal, die uns interessiert.

Utiel-Requena und die Bobal

Bobal war jahrzehntelang die Traube, aus der man Fasswein und Traubenkonzentrat machte. Entsprechend wenig Respekt bekam sie. In Utiel-Requena stehen dafür alte Buschreben, die kaum jemand ausserhalb Spaniens kennt.

Wer sie ernst nimmt, bekommt Rotwein mit dunkler Frucht, Kräutern und einer Säure, die man in Südostspanien nicht erwartet. Unsere Bobal Weine kommen von Viña de Eufemia, Pago de Tharsys, Vera de Estenas und Verónica Romero.

Falls du tiefer einsteigen willst: Wir haben der Traube einen eigenen Artikel gewidmet.

Ribera del Duero

Die eine Region in dieser Liste, die tatsächlich bekannt ist. Wir führen von dort Bodegas Raíz de Guzmán, weil ihre Weine die Kraft haben, für die die Region steht, ohne im Holz zu ertrinken.

Was wir nicht führen, und warum

Priorat, Jumilla, Toro. Drei Regionen, die in jeder Spanien-Übersicht stehen, und wir haben von keiner eine einzige Flasche.

Nicht weil dort schlechter Wein entsteht. Sondern weil wir bisher niemanden gefunden haben, bei dem wir auf der Bodega waren und am Tisch gesessen sind. Anders kaufen wir nicht ein. Wenn sich das ändert, erfährst du es.

Alte knorrige Rebstöcke in einem spanischen Weinberg
Alte Reben brauchen mehr Handarbeit und geben weniger Ertrag. Genau darum sind sie interessant.

Wo du anfängst

Wenn du dich noch nie durch Nordwestspanien getrunken hast: nimm eine Mencía aus dem Bierzo. Sie ist die einfachste Tür in diese ganze Ecke. Von dort kommst du fast von selbst zur Ribeira Sacra, und dann wird es interessant.

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