Rebterrassen an steilen Hängen über einem Fluss in Galicien

Galicien: Wein vom Atlantik bis an den Sil

Caroline Francotte · · 5 Min. Lesezeit

Albariño kennst du vermutlich. Treixadura, Caiño, Merenzao und Brancellao eher nicht. Alle fünf wachsen in Galicien, und sie schmecken so verschieden, dass wir die Region lieber nach Herkunft und Traube lesen als nach Farbe.

Galicien hat fünf DO-Gebiete: Rías Baixas, Ribeiro, Ribeira Sacra, Valdeorras und Monterrei. Aus dreien führen wir Wein, dazu kommt ein Winzer, der mitten in der Ribeira Sacra bewusst ohne DO abfüllt. Aus Valdeorras und Monterrei haben wir im Moment keine Flasche.

2024 kürte James Suckling den Finca Meixemán von Guímaro zum besten Wein Spaniens. Mit Pedro arbeiten wir seit Jahren. Wir richten unsere Auswahl nicht nach Punktelisten, aber diese hat uns gefreut.

Pedro von Adegas Guímaro bei einer Fassprobe

Fassprobe mit Pedro von Adegas Guímaro.

Rías Baixas: Albariño mit Meerblick

Die Rías Baixas liegen am Atlantik, und das schmeckst du. Im Val do Salnés, dem kühlsten und küstennächsten Teil der DO, arbeiten die Brüder Robustiano und Baldomero Fariña von Attis. Ihre Reben wachsen an Pergolen, viele sind über fünfzig Jahre alt. Der Lías Finas ist der Einstieg: Aprikose, Birne, salzige Mineralität. Wie weit die Fariñas gehen, zeigt der Attis Mar. Er liegt nach dem Ausbau sechs Monate in Kisten in zwölf Metern Tiefe im Atlantik, bei den Muschelbänken der Rías.

Am meisten Freude machen uns bei Attis aber die Roten. Rías Baixas steht für Weisswein, die Fariñas keltern trotzdem drei sortenreine Rote aus Pedral, Espadeiro und Sousón, jeweils zwischen 1'080 und 1'594 Flaschen. Unter dem Label Sitta füllen sie ab, was nicht in die DO-Regeln passt: zwei Orange-Weine, einen Rosé und zwei Süssweine. Und seit 2019 machen sie mit Sangarida auch Wein im Bierzo, schon jenseits der galicischen Grenze in León.

In der Unterzone Condado do Tea keltert Toni Alonso bei Veigamoura nichts als Albariño. Sein Veigamoura riecht nach Limette und Grapefruit, darunter liegt der Granit. Den Quinquenio macht er nur in Jahren, in denen alles passt, und lässt ihn fünf Winter im Keller reifen, bevor er ihn verkauft. Wer wissen will, wie Albariño altert, fängt hier an.

Ribeiro: das Tal der Treixadura

Ribeiro ist seit 1932 eine DO und damit eine der ältesten Spaniens. Coto de Gomariz liegt im Avia-Tal, rund 30 Hektar auf Schiefer, Granit und Sand. In den 1970er-Jahren begann Ricardo Carreiro Ameijeiras, die alten Rebberge von Gomariz neu zu bepflanzen, mit Treixadura, Godello, Albariño und Sousón. Heute führt Inma Pazos den Keller: Handlese, wilde Hefen, teils Tonamphoren. Der Leitspruch des Hauses lautet «Dende o Século X», seit dem 10. Jahrhundert.

Treixadura ist die Traube, die du hier kennenlernen solltest. Im Finca o Figueiral macht sie 70 Prozent aus, dazu kommen Godello, Albariño, Loureira, Lado und weitere lokale Sorten. Die Lage ist seit dem 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt und wurde 1978 neu bepflanzt. Es gibt 1'450 Flaschen. Wer lieber sortenrein anfängt, nimmt den Gomariz X Godello: Stahltank, Zitrus, Limettenschale.

Die Roten aus dem Ribeiro sind leiser als die aus der Ribeira Sacra, und genau das mögen wir an ihnen. Der Abadía de Gomariz ist zur Hälfte Sousón. Der Brancellao reifte ein Jahr in einer Tonamphore, hat 11,5 Volumenprozent und riecht nach Veilchen, Sauerkirsche und Walderdbeere. Davon gibt es 290 Flaschen.

Weiss, vom Meer bis an den Sil

Alle Weine aus Galicien

Ribeira Sacra: Terrassen über dem Sil

Über die Ribeira Sacra haben wir zwei eigene Stories geschrieben: eine über den heroischen Weinbau auf den Römerterrassen mit bis zu 85 Prozent Neigung, und eine über die Mencía, die dort einige der präzisesten Rotweine Spaniens gibt. Hier deshalb nur, was dort zu kurz kam: die Weissen und die seltenen Roten.

Blick von Cristosende über die Rebterrassen der Ribeira Sacra und den Fluss Sil

Blick von Cristosende über die Ribeira Sacra und den Sil.

Bei Ronsel do Sil keltert María José Yravedra ihre Weissen sortenrein. Der Ourive Dona Branca kommt von über 85 Jahre alten Reben auf Schiefer. Von dieser Traube erntet die ganze DO nur rund 5'800 Kilo im Jahr. Der Ourive Treixadura zeigt dieselbe Traube wie im Ribeiro, nur auf 550 Metern und im Holzfass: cremiger, mit Grapefruit und Aprikose. Davon gibt es 640 Flaschen.

Bei Algueira lohnt der Blick auf den Merenzao. Für den Risco werden die ganzen Trauben traditionell mit den Füssen in 600-Liter-Holzfässern gestampft. Der Wein ist hell kirschrot, hat 12,5 Volumenprozent und riecht nach Himbeeren, Preiselbeeren und Zedernholz. Der Pizarra vom selben Gut ist dagegen reine Mencía von Schiefer und reift 12 bis 18 Monate im Holz.

Und dann ist da Carlos Carballo in A Pobra do Brollón. Er füllt bewusst ausserhalb der DO-Regeln ab und keltert nur autochthone Sorten. Sein Xcelso Patao ist reiner Merenzao, benannt nach seinem Vater Patao, der ihm noch immer jeden Tag im Rebberg hilft. Der Wein wirkt beim Öffnen fein und zeigt nach ein paar Stunden an der Luft ganz andere Aromen. Gib ihm diese Zeit.

Steile Rebberge im Amandi, einer Unterzone der Ribeira Sacra

Die steilen Rebberge im Amandi, einer Unterzone der Ribeira Sacra.

Sieben Trauben für den Anfang

Wenn du Galicien nach Traube erkunden willst, hier die kurze Karte. Die Notizen stammen aus Weinen, die bei uns im Regal stehen.

  • Mencía: Sauerkirsche, Veilchen, nasser Stein. Die Rotweintraube der Ribeira Sacra.
  • Godello: grüner Apfel, Birne und ein feiner Bitterton im Abgang.
  • Treixadura: Grapefruit und Aprikose, im Holz cremig.
  • Sousón: Brombeere, Himbeere, Tinte.
  • Caiño: Rauch, Lakritz und eine lebendige Säure.
  • Merenzao: helle Farbe, Himbeere, Gewürz.
  • Brancellao: Sauerkirsche, weisser Pfeffer, seidiges Tannin.

Rot, jenseits der Mencía

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Wo du anfängst

Unser Rat: Fang mit zwei Weissen an. Der Veigamoura ist Albariño von der Pergola im Condado do Tea, bei 10 bis 12 Grad gut zu Meeresfrüchten und gegrilltem Fisch. Der Ourive Treixadura von Ronsel do Sil kommt von über 85 Jahre alten Reben am Sil, gärt in Fässern aus französischer Eiche und ist deutlich cremiger. Als Roten nimm danach einen Merenzao: den Alpendre, bei 12 bis 14 Grad zu Geflügel oder Pilzrisotto, oder den Risco von Algueira.

Mehr Weine aus Spanien jenseits von Rioja findest du auf unserer Seite Spanische Weine.

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