Galicien: Wein vom Atlantik bis an den Sil
Albariño kennst du vermutlich. Treixadura, Caiño, Merenzao und Brancellao eher nicht. Alle fünf wachsen in Galicien, und sie schmecken so verschieden, dass wir die Region lieber nach Herkunft und Traube lesen als nach Farbe.
Galicien hat fünf DO-Gebiete: Rías Baixas, Ribeiro, Ribeira Sacra, Valdeorras und Monterrei. Aus dreien führen wir Wein, dazu kommt ein Winzer, der mitten in der Ribeira Sacra bewusst ohne DO abfüllt. Aus Valdeorras und Monterrei haben wir im Moment keine Flasche.
2024 kürte James Suckling den Finca Meixemán von Guímaro zum besten Wein Spaniens. Mit Pedro arbeiten wir seit Jahren. Wir richten unsere Auswahl nicht nach Punktelisten, aber diese hat uns gefreut.

Fassprobe mit Pedro von Adegas Guímaro.
Rías Baixas: Albariño mit Meerblick
Die Rías Baixas liegen am Atlantik, und das schmeckst du. Im Val do Salnés, dem kühlsten und küstennächsten Teil der DO, arbeiten die Brüder Robustiano und Baldomero Fariña von Attis. Ihre Reben wachsen an Pergolen, viele sind über fünfzig Jahre alt. Der Lías Finas ist der Einstieg: Aprikose, Birne, salzige Mineralität. Wie weit die Fariñas gehen, zeigt der Attis Mar. Er liegt nach dem Ausbau sechs Monate in Kisten in zwölf Metern Tiefe im Atlantik, bei den Muschelbänken der Rías.
Am meisten Freude machen uns bei Attis aber die Roten. Rías Baixas steht für Weisswein, die Fariñas keltern trotzdem drei sortenreine Rote aus Pedral, Espadeiro und Sousón, jeweils zwischen 1'080 und 1'594 Flaschen. Unter dem Label Sitta füllen sie ab, was nicht in die DO-Regeln passt: zwei Orange-Weine, einen Rosé und zwei Süssweine. Und seit 2019 machen sie mit Sangarida auch Wein im Bierzo, schon jenseits der galicischen Grenze in León.
In der Unterzone Condado do Tea keltert Toni Alonso bei Veigamoura nichts als Albariño. Sein Veigamoura riecht nach Limette und Grapefruit, darunter liegt der Granit. Den Quinquenio macht er nur in Jahren, in denen alles passt, und lässt ihn fünf Winter im Keller reifen, bevor er ihn verkauft. Wer wissen will, wie Albariño altert, fängt hier an.
Ribeiro: das Tal der Treixadura
Ribeiro ist seit 1932 eine DO und damit eine der ältesten Spaniens. Coto de Gomariz liegt im Avia-Tal, rund 30 Hektar auf Schiefer, Granit und Sand. In den 1970er-Jahren begann Ricardo Carreiro Ameijeiras, die alten Rebberge von Gomariz neu zu bepflanzen, mit Treixadura, Godello, Albariño und Sousón. Heute führt Inma Pazos den Keller: Handlese, wilde Hefen, teils Tonamphoren. Der Leitspruch des Hauses lautet «Dende o Século X», seit dem 10. Jahrhundert.
Treixadura ist die Traube, die du hier kennenlernen solltest. Im Finca o Figueiral macht sie 70 Prozent aus, dazu kommen Godello, Albariño, Loureira, Lado und weitere lokale Sorten. Die Lage ist seit dem 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt und wurde 1978 neu bepflanzt. Es gibt 1'450 Flaschen. Wer lieber sortenrein anfängt, nimmt den Gomariz X Godello: Stahltank, Zitrus, Limettenschale.
Die Roten aus dem Ribeiro sind leiser als die aus der Ribeira Sacra, und genau das mögen wir an ihnen. Der Abadía de Gomariz ist zur Hälfte Sousón. Der Brancellao reifte ein Jahr in einer Tonamphore, hat 11,5 Volumenprozent und riecht nach Veilchen, Sauerkirsche und Walderdbeere. Davon gibt es 290 Flaschen.
Weiss, vom Meer bis an den Sil
Alle Weine aus Galicien-
Veigamoura 2024, Veigamoura
Albariño von der Pergola. Limette, Grapefruit, Granit.
CHF 29.00
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Lías Finas 2024, Attis
Über 50 Jahre alte Reben im Val do Salnés.
CHF 21.00
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Gomariz X Godello 2023, Coto de Gomariz
Godello aus dem Ribeiro, nur im Stahltank.
CHF 25.00
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Colleita Seleccionada Finca o Figueiral 2022, Coto de Gomariz
70 Prozent Treixadura, 1'450 Flaschen.
CHF 39.00
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Brandán 2024, Algueira
Godello vom Schiefer, mit feinem Bitterton.
CHF 19.00
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Ourive Dona Branca 2023, Ronsel do Sil
Eine Traube, von der die ganze DO 5'800 Kilo erntet.
CHF 36.00
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Mar 2023, Attis
Sechs Monate in zwölf Metern Tiefe im Atlantik.
CHF 89.00
Ribeira Sacra: Terrassen über dem Sil
Über die Ribeira Sacra haben wir zwei eigene Stories geschrieben: eine über den heroischen Weinbau auf den Römerterrassen mit bis zu 85 Prozent Neigung, und eine über die Mencía, die dort einige der präzisesten Rotweine Spaniens gibt. Hier deshalb nur, was dort zu kurz kam: die Weissen und die seltenen Roten.

Blick von Cristosende über die Ribeira Sacra und den Sil.
Bei Ronsel do Sil keltert María José Yravedra ihre Weissen sortenrein. Der Ourive Dona Branca kommt von über 85 Jahre alten Reben auf Schiefer. Von dieser Traube erntet die ganze DO nur rund 5'800 Kilo im Jahr. Der Ourive Treixadura zeigt dieselbe Traube wie im Ribeiro, nur auf 550 Metern und im Holzfass: cremiger, mit Grapefruit und Aprikose. Davon gibt es 640 Flaschen.
Bei Algueira lohnt der Blick auf den Merenzao. Für den Risco werden die ganzen Trauben traditionell mit den Füssen in 600-Liter-Holzfässern gestampft. Der Wein ist hell kirschrot, hat 12,5 Volumenprozent und riecht nach Himbeeren, Preiselbeeren und Zedernholz. Der Pizarra vom selben Gut ist dagegen reine Mencía von Schiefer und reift 12 bis 18 Monate im Holz.
Und dann ist da Carlos Carballo in A Pobra do Brollón. Er füllt bewusst ausserhalb der DO-Regeln ab und keltert nur autochthone Sorten. Sein Xcelso Patao ist reiner Merenzao, benannt nach seinem Vater Patao, der ihm noch immer jeden Tag im Rebberg hilft. Der Wein wirkt beim Öffnen fein und zeigt nach ein paar Stunden an der Luft ganz andere Aromen. Gib ihm diese Zeit.

Die steilen Rebberge im Amandi, einer Unterzone der Ribeira Sacra.
Sieben Trauben für den Anfang
Wenn du Galicien nach Traube erkunden willst, hier die kurze Karte. Die Notizen stammen aus Weinen, die bei uns im Regal stehen.
- Mencía: Sauerkirsche, Veilchen, nasser Stein. Die Rotweintraube der Ribeira Sacra.
- Godello: grüner Apfel, Birne und ein feiner Bitterton im Abgang.
- Treixadura: Grapefruit und Aprikose, im Holz cremig.
- Sousón: Brombeere, Himbeere, Tinte.
- Caiño: Rauch, Lakritz und eine lebendige Säure.
- Merenzao: helle Farbe, Himbeere, Gewürz.
- Brancellao: Sauerkirsche, weisser Pfeffer, seidiges Tannin.
Rot, jenseits der Mencía
Ganz Galicien-
Sousón 2018, Attis
Sousón vom Atlantik. Brombeere und Tinte.
CHF 35.00
-
Espadeiro 2019, Attis
1'594 Flaschen. Lakritz und Lilien.
CHF 35.00
-
Abadia de Gomariz 2022, Coto de Gomariz
Halb Sousón, dazu Brancellao, Ferrol, Mencía.
CHF 24.00
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Al Pie del Cañón 2022, Ronsel do Sil
Reiner Caiño. Rauch und Lakritz.
CHF 39.00
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Pórtico da Gloria 2023, Ronsel do Sil
Brancellao. Sauerkirsche, weisser Pfeffer.
CHF 39.00
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Risco 2019, Algueira
Merenzao, mit den Füssen gestampft.
CHF 35.00
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Alpendre 2023, Ronsel do Sil
Merenzao vom Granit. Schlehe und Rose.
CHF 42.00
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Xcelso Patao 2021, Carlos Carballo
Merenzao ohne DO. Braucht Stunden an der Luft.
CHF 99.00
Wo du anfängst
Unser Rat: Fang mit zwei Weissen an. Der Veigamoura ist Albariño von der Pergola im Condado do Tea, bei 10 bis 12 Grad gut zu Meeresfrüchten und gegrilltem Fisch. Der Ourive Treixadura von Ronsel do Sil kommt von über 85 Jahre alten Reben am Sil, gärt in Fässern aus französischer Eiche und ist deutlich cremiger. Als Roten nimm danach einen Merenzao: den Alpendre, bei 12 bis 14 Grad zu Geflügel oder Pilzrisotto, oder den Risco von Algueira.
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