Bobal: was die Rebsorte kann und welcher Wein wozu passt
Bobal hat jahrzehntelang für andere gearbeitet. Man schätzte die Traube für ihre dunkle Farbe und ihren hohen Alkohol und goss sie in Verschnitte, damit andere Weine kräftiger wirkten. Was sie allein kann, zeigt sie erst, wenn jemand die alten Reben stehen lässt und wenig erntet: Kirsche und Brombeere, wilde Kräuter und eine Säure, die du bei einem Rotwein aus dem heissen Hinterland von Valencia nicht erwartest.
Bei uns stehen heute Bobal-Weine aus Utiel-Requena, vom hellen Rosé bis zur Reserva mit 17 Monaten Holz. Welche Flasche zu welchem Abend passt, steht weiter unten. Zuerst die Traube.
Was die Rebsorte Bobal ausmacht
Bobal ist die Traube von Utiel-Requena, einer Hochebene rund eine Stunde landeinwärts von Valencia. Auch in der Manchuela, gleich jenseits der Grenze zu Kastilien-La Mancha, wächst sie. Sie gehört zu den meistgepflanzten roten Sorten Spaniens und ist trotzdem erstaunlich unbekannt.
Die Rebe ist zäh. Sie verträgt Hitze und Trockenheit, viele Parzellen werden bis heute ohne Bewässerung bewirtschaftet, als niedrige Buschreben, die man auf Spanisch «en vaso» nennt. Deshalb haben so viele alte Stöcke überlebt. Schwierig wird es im Keller: Die Beeren reifen ungleichmässig, manchmal sogar innerhalb derselben Traube. Wer das nicht im Griff hat, bekommt einen rustikalen Wein mit bitterem Ende. So hat Bobal ihren Ruf verloren.

Eine alte Bobal-Buschrebe im Spätherbst bei Casas de Eufemia.
Seit den 1990er-Jahren hat sich die Rebfläche fast halbiert. Das spanische Landwirtschaftsministerium ermunterte die Winzer damals, Bobal durch Cabernet Sauvignon, Merlot oder Tempranillo zu ersetzen, und später kostete die Nachfrage nach Cava noch einmal alte Rebberge. Wir finden jeden gerodeten alten Bobal-Stock einen zu viel, denn genau in diesen Reben steckt, was die Traube heute interessant macht. Wie Bobal in die übrige spanische Weinlandschaft passt, erzählen wir in Spanische Weine jenseits von Rioja.
Alte Reben, kühle Nächte
Viele Rebberge liegen auf rund 700 Metern, auf kalkreichen Lehm- und Tonböden. Auf heisse Tage folgen kühle Nächte, darum bleibt die Säure erhalten und der Wein wirkt trotz seiner Kraft frisch. Den Rest macht das Alter der Stöcke. Bei unseren Bobal steht es oft schon auf der Produktseite: über 60 Jahre beim Carrascal, 77 beim Los Renteros, mehr als 100 beim Olivastro. Für den Bobal von Diana García bei Pago de Tharsys wurden die Reben 1940 gepflanzt.
Casas de Eufemia, ein Dorf mit zwei Handschriften
Ein Ortsname taucht in unserem Bobal-Sortiment auffällig oft auf: Casas de Eufemia, ein Dorf bei Requena. Von dort kommen die Weine von Viña de Eufemia und von Carres.
Bei Viña de Eufemia arbeiten der Winzer Héctor Benavente und der Önologe Jean-François Hébrard. Sie pflegen die Rebberge nach den Regeln der Permakultur, mit Begrünung, Kräutern und Sträuchern zwischen den Reben statt Monokultur. Carres ist ein Familienbetrieb, gegründet von José Luis Torres Carpio, und jeder Wein trägt den Namen der Parzelle, aus der er stammt.

Rebberg von Viña de Eufemia bei Casas de Eufemia, Ende August.
Viña de Eufemia
Reiner Bobal von über 60-jährigen Stöcken, als Rosé. Die dunkle Traube kann auch leise.
Carrascal ansehenWelcher Bobal wofür
Zum Aperitif und an warmen Tagen: der Carrascal Rosado de Bobal von Viña de Eufemia. Reiner Bobal aus einem alten Rebberg nahe dem Dorf, vier Monate auf der Feinhefe, 12,5 Volumenprozent, nur 1'600 Flaschen. Rote Beeren, etwas Blüte, eine klare Säure. Dazu Tapas oder ein leichter Salat.
Für jeden Tag, zu Reis und vom Grill: der Noria Tinto de Eufemia. 80 Prozent Bobal von alten Reben, 20 Prozent Merlot, sechs Monate im Holzfass. Reife rote und dunkle Früchte, weiche Tannine, frische Säure. Wenn du Bobal noch nie getrunken hast, fang hier an.
Wenn du dich nicht zwischen Rot und Weiss entscheiden willst: Clara von Verónica Romero, ein Clarete aus 60 Prozent Bobal und 40 Prozent Macabeo. Kein Rosé, sondern eine Cuvée aus roter und weisser Traube, ohne zugesetzte Sulfite. Kirsche, grüner Apfel, Zitrus.
Leicht und salzig, zu Fisch und Paella: Los Renteros, ebenfalls von Verónica. Reiner Bobal von 77 Jahre alten Buschreben, fünf Monate in der Tonamphore unter einer Schicht Florhefe, 12,5 Volumenprozent, rund 900 Flaschen. Granatapfel, getrocknete Kräuter, am Ende eine feine salzige Frische.

Ein Fass Bobal «Viña Rubén» im Keller von Verónica Romero.
Viel alter Rebstock für wenig Geld: Carlota Suria von Pago de Tharsys, Bobal von hundertjährigen Reben, zwölf Monate in französischer Eiche, 13 Volumenprozent. Lavendel, Kirsche, rote Pflaume. Mehr Tiefe hat der Bobal von Diana García aus demselben Haus, von dem es 5'600 Flaschen gibt.
Für Braten, Wild und gereiften Käse: der Olivastro von Carres, reiner Bobal aus einer Einzellage mit über hundert Jahre alten Buschreben, ausgebaut in gebrauchten Barriques. Er darf noch einige Jahre liegen. Wenn du Holz magst, nimm die Reserva Edición Limitada von Vera de Estenas: 17 Monate in neuen französischen Eichenfässern, 90 Punkte im Guía Peñín.
Womit du anfängst
Alle Bobal-
Noria Tinto de Eufemia 2025, Viña de Eufemia
Der Einstieg. 80 Prozent Bobal von alten Reben.
CHF 23.00
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Carrascal Rosado de Bobal 2025, Viña de Eufemia
Rosé von über 60-jährigen Stöcken.
CHF 25.00
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Los Renteros 2024, Verónica Romero
Aus der Amphore, leicht und salzig.
CHF 28.00
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Olivastro 2022, Carres
Hundertjährige Buschreben. Darf liegen.
CHF 25.00
So servierst du Bobal
Rote Bobal schenkst du bei 16 bis 18 Grad aus, so empfiehlt es Pago de Tharsys. Die Traube passt zu gegrilltem Fleisch, zu Reisgerichten und zu gereiftem Manchego. Ihre kräuterige Seite kommt auch mit Ofengemüse, Ratatouille oder Pilzrisotto gut zurecht. Alle unsere Weine dieser Sorte findest du unter Bobal.
Unsere Faustregel übers Jahr: im Sommer den Carrascal Rosado, gut gekühlt zu Tapas oder einem leichten Salat, ab Oktober den Olivastro zu Braten, Wild und gereiftem Hartkäse. Wer einen Keller hat, legt vom Olivastro eine zweite Flasche für in ein paar Jahren zur Seite.
Mehr Weine aus Spanien jenseits von Rioja findest du auf unserer Seite Spanische Weine.