10 Rebsorten, die du kennen solltest

Rebsorten-Guide

Weltweit werden über tausend Rebsorten für Wein angebaut. Im Schweizer Regal begegnest du vielleicht zwanzig davon.

Die zehn hier stehen alle bei uns im Lager. Bei mindestens der Hälfte tippen wir darauf, dass du den Namen noch nie gelesen hast. Das ist kein Zufall, das ist der Grund, warum es uns gibt.

Handlese in einem Weinberg von Pago de Tharsys in Utiel-Requena
Handlese bei Pago de Tharsys. Bei alten Buschreben geht es nicht anders.

1. Mencía

In den Neunzigern galt Mencía als Sorte für einfachen Landwein. Heute trägt sie den halben spanischen Nordwesten. Aus der Ribeira Sacra kommt sie straff: dunkle Kirsche, Veilchen, nasse Erde, eine Spitze, die an Salz erinnert. Aus dem Bierzo ist sie runder und fruchtiger.

Der Vergleich mit Pinot Noir wird oft gezogen. Bei der Textur trifft er zu, beim Geschmack führt er in die Irre. Zu geschmortem Lamm oder gegrilltem Gemüse ist sie schwer zu schlagen, und sie wird nie so schwer, dass sie das Essen erdrückt.

2. Godello

Vor dreissig Jahren standen kaum noch Godello-Reben. Heute kommen einige der besten Weissweine Spaniens aus dieser Traube. Steinobst, weisse Blüten, Haselnuss, dazu eine Textur, die fast wachsartig ist.

Godello braucht Essen mit Substanz: gebratener Fisch, Pilzrisotto, Poulet mit Kräuterbutter. Wer sie mit Burgunder vergleicht, liegt bei der Fülle richtig und beim Preis daneben, zu deinen Gunsten.

3. Sousón

Sousón gehört zu den galicischen Sorten, die schon vor der Reblaus da waren. Sie gibt fast schwarze Weine mit einer Säure, die im ersten Moment unhöflich wirkt. Beim zweiten Schluck ergibt sie Sinn.

Meistens steht sie im Verschnitt und gibt anderen Sorten Rückgrat. Solo wird sie zunehmend ernst genommen. Stell sie zu etwas Fettem, sie räumt auf.

4. Albariño

Der bekannteste Name auf dieser Liste, und trotzdem viel zu selten im Schweizer Glas. Albariño bringt Zitrus, Pfirsich, einen Hauch Meersalz und Säure ohne Schärfe.

Zu allem, was aus dem Wasser kommt. Weniger bekannt ist die andere Seite: Mit Hefelager und ein paar Jahren Flasche wird aus dem Apéro-Wein etwas, das sich vor keinem grossen Weissen versteckt.

5. Bobal

Eine der meistangebauten roten Sorten Spaniens, und kaum jemand kennt den Namen. Jahrzehntelang ging Bobal in Fasswein und Traubenkonzentrat. In Utiel-Requena stehen dafür alte Buschreben, um die sich lange niemand gekümmert hat.

Dunkle Beeren, Pflaume, Lavendel, Erde, und eine Säure, die man in Südostspanien nicht erwartet. Zu Wild und reifem Hartkäse. Wir haben ihr einen eigenen Artikel gewidmet.

6. Treixadura

Treixadura ist die Leitsorte des Ribeiro. Apfel, Birne, etwas Pfirsich, frische Kräuter, und eine Textur, die weich ist statt spitz.

Sie ist der Beweis, dass galicischer Weisswein nicht immer nur Frische bedeuten muss. Inma Pazos von Coto de Gomariz macht daraus Weine mit Körper, die ein Jahr im Keller gut vertragen.

Rebzeilen im Abendlicht
Welche Sorte wo steht, entscheidet mehr über den Wein als fast alles andere.

7. Caiño

Caiño ist keine einzelne Sorte, sondern eine Familie: Caiño Tinto, Caiño Bravo, Caiño Longo. Allen gemeinsam sind hohe Säure, straffe Tannine und ein kräutriger Zug.

Das ist kein Wein, der dir entgegenkommt. Er verlangt, dass du ihm entgegenkommst, am besten mit Essen auf dem Tisch. Wenn du sonst nichts von dieser Liste probierst, probier diesen.

8. Merenzao

In Frankreich heisst sie Trousseau, in Portugal Bastardo, in der Ribeira Sacra und im Valdeorras Merenzao. Dieselbe Traube, drei Namen, drei Weinwelten.

Die Weine sind hell, fast durchsichtig, mit roter Beere, Kräutern und einer feinen Blütennote. Wer Pinot mag und etwas sucht, das er noch nicht kennt, fängt hier an.

9. Garnacha

Garnacha kann beliebig sein. Bei hohem Ertrag wird sie dünn und süsslich, und genau so kennen sie die meisten. Bei niedrigem Ertrag und alten Reben wird sie das Gegenteil: rote Frucht, Kräuter, feines Tannin, Wärme ohne Schwere.

Zu Charcuterie, zu Gegrilltem, zu allem, was nach Sommer schmeckt.

10. Brancellao

Die seltenste auf dieser Liste. Brancellao war fast verschwunden und steht heute wieder in kleinen Parzellen. Tiefes Purpur im Glas, in der Nase Beerenkonfitüre, Veilchen, Mandelblüte, eine Spur Lakritz.

Wenn du eine Flasche findest, nimm sie mit. Es gibt nicht viele.

Mehrere Weinflaschen aus dem Sortiment von uncorkme-now nebeneinander
Zehn Sorten, zehn verschiedene Abende.

Warum das mehr ist als Sammelleidenschaft

Autochthone Sorten haben sich über Jahrhunderte an ihren Ort angepasst. Sie kommen mit der Hitze, der Trockenheit und den Krankheiten ihrer Region besser zurecht als die internationalen Standardsorten, die überall gepflanzt werden, weil sie sich überall verkaufen lassen.

Das ist kein Nebenargument. Wenn Sorten wie Brancellao oder Caiño verschwinden, geht auch das Wissen verloren, wie man sie anbaut und in den Keller bringt. Jede Flasche hält eine Parzelle am Leben.

Wo du anfängst

Wenn du dich durch diese Liste trinken willst und nicht weisst, womit: Godello, falls es weiss sein soll. Mencía aus dem Bierzo, falls rot. Beide sind zugänglich genug für den ersten Abend und interessant genug für den zweiten.

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