«Gros'Noré», der dicke Noré: So nannten sie Honoré Pascal, den Weinbauern mit der imposanten Statur. Als sein Sohn Alain nach Honorés Tod ein eigenes Weingut baute, mit den eigenen Händen, gab er ihm den Namen des Vaters.
Die Domaine du Gros'Noré liegt in La Cadière-d'Azur, am Chemin de l'Argile. Die Adresse ist Programm: Ton- und Kalkböden, auf denen die Mourvèdre ihre ganze Kraft entwickelt. Jahrelang verkaufte die Familie Pascal ihre Trauben an die altehrwürdigen Güter Ott und Pibarnon. Den charaktervollen Hauswein, den sie für den eigenen Konsum kelterte, hatte nie jemand benannt. 1997 füllte Alain Pascal die ersten eigenen Flaschen ab, und plötzlich schrieben die «Revue du vin de France» und der «Gault et Millau» über das junge Weingut.
Würde es Alain Pascal nicht geben, müsste ein französischer Filmemacher ihn erfinden, schrieb der «Wine Spectator». Der ehemalige Boxer verkörpert alles, was man sich unter einem Winzer im Süden Frankreichs vorstellt: stark, braungebrannt, mit grossen, rauen Händen, die früher im Ring zum Einsatz kamen und heute mit viel Fingerspitzengefühl an den Rebstöcken arbeiten. Ein Herkules der Provence, wird er genannt. Unser Bernhard sitzt seit über zwanzig Jahren regelmässig bei Alain am Tisch, und wenn es gut läuft, tischt der Hausherr ein Wildschwein auf, das er selbst erlegt hat.
«Eigenhändig» ist bei Alain Pascal wörtlich zu nehmen. Die Domaine hat er nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seinem Bruder von Hand gebaut, im traditionellen provenzalischen Stil. Die 16 Hektaren Rebstöcke pflegt er akribisch, fast schon zärtlich. Und als der Erfolg einen grösseren Keller verlangte, errichtete er gleich noch einen Saal für Feste dazu. In allem stecken sorgfältige Handarbeit und eine Liebe zum Detail, die man dem Kraftpaket auf den ersten Blick nicht ansieht.
Lage und Böden
Böden Ton und Kalk, wie es der Chemin de l'Argile schon im Namen trägt. Schwere Böden, die Wasser halten und der Mourvèdre die lange Reifezeit ermöglichen, die sie braucht.
Reben
Reben Mourvèdre steht im Zentrum: Der Rouge besteht aus 80% Mourvèdre, 15% Grenache und 5% Cinsault. Die spät reifende Sorte findet in Bandol ihre beste Form.
Klima
Klima La Cadière-d'Azur liegt im natürlichen Amphitheater von Bandol: viel Sonne, das Mittelmeer vor der Tür und der Mistral, der die Reben nach dem Regen trocknet und gesund hält.
Alain lässt die Trauben so lange wie möglich reifen, vergärt mit einheimischen Naturhefen und filtriert nicht. Das Resultat sind intensive, gerbstoffreiche Weine, die in ihrer Eigenwilligkeit für Aufmerksamkeit sorgen. Und die mit der Zeit zeigen, was unter der Kraft steckt: Vielschichtigkeit, Charakter und eine aussergewöhnliche Tiefe.
Gros'Noré ist typischer Bandol in seiner ehrlichsten Form: kräftig und harmonisch zugleich. Der Rouge besteht zu 80% aus Mourvèdre. Wer die Domaine besucht, degustiert im Carnotzet, mit etwas Glück zur hausgemachten Wildterrine. Eigentlich, so stand es mal in unserem Magazin, könnte die Domaine statt Gros'Noré auch Grand Noré heissen.
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